Jubiläum der 9. Sinfonie von Beethoven in Japan

Reisetour

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Schüler/-innen der BBS am Schölerberg vor dem Ablug in Amsterdam

Schüler/-innen der BBS am Schölerberg vor dem Ablug in Amsterdam

100 Jahre ist es her, dass deutsche Kriegs­gefangene, die in der Nähe von Tokushima interniert waren, die 9. Sinfonie von Beethoven in Asien aufführten. Bis dahin hatte sie dort niemand gehört.

Zu diesem Anlass gibt es ein Jubiläums­konzert, welches von der Bildungs­behörde von Tokushima organisiert wird. Nieder­sächsische Schulen, die eine Partner­schule in der Provinz haben, wurden eingeladen an dem Jubiläums­konzert mitzuwirken.

Am 8. Februar ging es los. Zehn Schülerinnen und Schüler der BBS am Schölerberg flogen nach Japan, um an dem Musik­projekt teilzunehmen. Mit im Tross waren auch Schülerinnen und Schüler der BBS Brinkstraße. Beide Gruppen hatten sich seit den Sommerferien durch gemeinsame Chorproben auf dieses Ereignis vorbe­reitet. Begleitet werden sie von einigen Lehrerinnen und Lehrern.

Aber nicht nur das Musik­projekt steht im Vorder­grund dieser Reise, sondern auch der persönliche Kontakt mit den Japanern, das Kennen­lernen ihrer Kultur und Lebens­weise sowie der Austausch mit den japanischen Schulen.

Reise-Blog


Japanreise, Tag 1 – Ankunft und Teezeremonie

Japanreise, Tag 1 – Ankunft und Teezeremonie

Nach einem elfstündigen Flug kamen wir in Osaka an. Am Flughafen trafen wir auch die Teilnehmer der anderen nieder­sächsischen Schulen, die zu diesem Ereignis eingeladen worden waren.

Nach einem Mittag­essen stand uns noch eine vier­stündige Busfahrt von Osaka über Kobe nach Tokushima bevor. Dort angekommen, besuchten wir gleich unsere Partnerschule, die Tokushima Commercial Highschool (TCHS). Empfangen wurden wir dort von dem Schulleiter, seinen Mitar­beitern sowie Herrn Murakumo und Frau Mori, die für die Austausch­programme zuständig sind.

Wir knüpften erste Kontakte und tauschten Geschenke aus. Doch der Höhe­punkt unseres ersten Nachmittages war eine japanische Teez­eremonie, die eigens für uns zelebriert wurde (siehe Video).

Nach dem Besuch unserer Partner­schule und einem kurzen Abendessen, trafen wir im Hotel ein – müde und erschöpft, aber mit vielen neuen Eindrücken!


Sie möchten den Reisebericht auf Japanisch lesen? Kein Problem:

日本の旅 – 1日目

11時間のフライトの後、私たちは大阪に到着しました。 空港では、このイベントに招待されたニーダーザクセン州の他の学校の参加者にも会いました。

昼食後、大阪から神戸、徳島までバスで4時間乗りました。 かつて、私たちはパートナースクール徳島商業高校(TCHS)を訪れました。 私たちは、交流プログラムを担当していた校長、スタッフ、村上さん、森さんにお会いしました。

最初に連絡を取り、プレゼントを交換しました。 しかし、最初の午後のハイライトは、特に私たちのために祝われた日本の茶道でした(ビデオ参照)。

私たちのパートナースクールや短い夕食を食べた後、私たちはホテルに到着しました – 疲れて疲れましたが、多くの新しい印象を与えました!

Japanreise, Tag 2 – Kultur pur

Japanreise, Tag 2 – Kultur pur

Nachdem wir um 7:40 Uhr Frühstück hatten, fuhr unsere Gruppe zu einer Indigo-Färberei. Dort werden aus Indigopflanzen blaue Farbstoffe gewonnen, die zum Färben und Herstellen von bedruckten Stoffen genutzt werden. Die Technik ist ähnlich wie die – vorrangig in Norddeutschland – bekannte Drucktechnik. Vor zwei Jahren waren sogar einige Blaudrucker (ja, das ist eine Berufsbezeichnung!) aus Osnabrück und aus Friesland in Toshiba zu Gast, um das deutsche Handwerk des Blaudrucks vorzustellen.

Alle Schülerinnen und Schüler durften ein eigenes Tuch mit dieser Technik, die dem Batiken sehr ähnlich ist, herstellen. Wie wir das genau gemacht haben, ist auf den Fotos zu sehen.

Weil Arbeit bekanntlich hungrig macht, war anschließend ein Mittagessen für alle in einem Luxushotel angesagt.

Im Anschluss daran waren alle Schülerinnen und Schüler aus Niedersachsen zu einem Neujahrskonzert eingeladen. Es spielte das Tokushima Kinen Orchestra unter Leitung des Dirigenten Kazuyoshi Akiyama, der auch schon einmal bei der NDR-Radiophilharmonie als Gastdirigent zu bewundern war. Das Tokushima Kinen Orchestra besteht aus professionellen Musikern, die eine Beziehung zur Region haben (müssen). Das Orchester wird gezielt für die Kulturarbeit der Provinz eingesetzt.

Nach einer kurzen Pause erfolgte unsere erste Probe für das große Jubiläumskonzert der 9. Sinfonie Beethovens. Das Konzert findet am 12. Februar statt.

Der Tag war bis dahin schon ereignisreich. Der Höhepunkt des Tages war allerdings der Empfang der Präfektur Tokushima für die niedersächsische Delegation. Eingeladen waren alle Schülerinnen und Schüler aus Niedersachsen und die Schülerinnen und Schüler aus den japanischen Partnerschulen, die ebenfalls am Konzert teilnehmen. Dazu kamen noch Lehrer, Schulleitungen, die Vertreter des Niedersächsischen Kultusministeriums unter Leitung von Frau Schröder, weitere Vertreter sowie der Gouverneur der Provinz Tokushima, Herr Iizumi, und der deutsche Generalkonsul, Herr Doktor Köhler.

In seiner Begrüßungsrede betonte Gouverneur Iizumi, wie sehr er sich freue, dass in diesem Jahr niedersächsische Schülerinnen und Schüler an der Feier zur 100-jährigen erstmaligen Aufführung der neunten Sinfonie von Beethoven in Asien teilnehmen.

Er sagte auch, dass das Gedenken an dieses Ereignis aus ehemaligen Kriegsgegnern nun Freunde gemacht habe, was auch durch die Partnerschaft zwischen Tokushima und Niedersachsen deutlich würde. Musik verbinde Völker und Kulturen.

Aufgrund eines Flugausfalls konnte die Bundesratsministerin Honé nicht wie geplant an der Veranstaltung teilnehmen. Sie wurde durch Dr. Köhler vertreten. Er betonte, dass er sich freue, dass niedersächsische Schülerinnen und Schüler das Land Niedersachsen und auch die Bundesrepublik Deutschland als „Botschafter“ vertreten.

Nach der Begrüßung wurde das Buffet eröffnet. Es gab viele Spezialitäten in der typisch japanischen Zubereitungsvariante „Tempura“. So konnten wir frittierte beziehungsweise überbackene Früchte, oder auch Fische und Fleisch in verschiedenen Variationen kosten. Außerdem gab es diverse japanische Suppen. Es war ein exzellentes Buffet mit sehr gut schmeckenden Köstlichkeiten. Auch die Schülerinnen und Schüler hatten viel Spaß daran, die japanischen Spezialitäten zu versuchen.

Während des Buffets wurden regionale Tänze, die sogenannten Awa-Tänze, aufgeführt. Die Tänzer animierten uns, mitzutanzen. Das taten wir auch – wie man im Video sehen kann!

Als wir wieder im Hotel ankamen, hatten wir einen ereignisreichen Tag hinter uns. Das Hotel ist übrigens nicht mit europäischen Hotels zu vergleichen. Sessel oder Stühle gibt es nicht, denn man kniet oder steht. Ein typisches Bett gibt es auch nicht. Wir schlafen auf dem Boden, auf Tatamimatten. Zuerst wird eine Matte auf dem Boden ausgerollt, darauf kommt eine zweite Matte mit einem Laken darüber und dann das Oberbett. Darauf lässt es sich aber entspannt schlafen. Gute Nacht!

Japanreise, Tag 3 – Ryozenji-Tempel und Deutsches Haus in Naruto

Japanreise, Tag 3 – Ryozenji-Tempel und Deutsches Haus in Naruto

Am dritten Tag unserer Japanreise ging es zum Ryozenji-Tempel, einem der ältesten Tempel auf der Insel Shikoku. Shikoku ist die kleinste der vier Hauptinseln Japans, auf der auch Tokushima liegt.

Dieser Tempel, im 8.Jahrhundert n. Chr. entstanden, ist Ausgangspunkt eines Pilgerwegs, der 88 Tempel umfasst. Die Bedeutung ist vergleichbar mit dem Jakobsweg in Europa.

Anschließend fuhren wir zum Deutschen Haus in Naruto. Das Deutsche Haus beherbergt eine Ausstellung zum ehemaligen Kriegs­gefangenen­lager Bandō, in der die deutschen Soldaten in der Provinz Tokushima interniert waren. Es wird hier insbesondere an das Lagerleben erinnert, aber auch an die Umstände der erstmaligen Aufführung der 9. Sinfonie von Beethoven vor 100 Jahren.

Danach ging es zur ersten großen Konzertprobe. Leider können Bilder oder Aufnahmen aus urheber­rechtlichen Gründen (noch) nicht gezeigt werden.

Japanreise, Tag 4 – Jubiläumskonzert

Japanreise, Tag 4 – Jubiläumskonzert
Auf der Titelseite

Auf der Titelseite

Bericht über das große Ereignis

Bericht über das große Ereignis

Da sind wir!

Da sind wir!

Am Montag, dem 12. Februar, machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zu der großen Konzerthalle. Je näher wir unserem Ziel kamen, desto aufgeregter und angespannter wurden wir – unser großer Auftritt stand bevor!

Die erste Probe fand ohne Orchester statt. Anschließend probten wir einen kompletten Durchgang mit Orchester. Durch die Proben bekamen wir eine Ahnung von dem, was uns am Nachmittag erwartete – aufregend!

Nach dem Mittagessen kam dann endlich der große Auftritt, auf den sich alle Beteiligten monatelang vorbereitet und gefreut hatten.

Eröffnet wurde das Konzert, bei dem es mehr Aufführende als Zuhörer gab, mit einer Ansprache von Gouverneur Iizumi, in der er die Teilnehmer aus Niedersachsen besonders begrüßte. Wir mussten extra aufstehen, damit uns alle sehen konnten.

Es folgten zwei Videos, deren „roter Faden“ die 9. Sinfonie war. Das erste Video handelte von der Geschichte der 9. Sinfonie in Japan. In einem zweiten Kurzfilm wurde die Spurensuche eines Jungen gezeigt, dessen Großvater Nachfahre eines deutschen Kriegsgefangenen in Tokushima war und der an der Aufführung der 9. Sinfonie beteiligt war.

Im Anschluss folgte das Konzert des Tokushima Kinen Orchestra unter Leitung von Kazuyoshi Akiyama. Im 4. Satz wurde von den Solisten und allen 3012 Sängern die Ode an die Freude gesungen.

Gänsehaut machte sich im Zuschauerraum breit. Nach dem Schlussakkord gab es Standing Ovations und viele Bravorufe.

Zum Abschluss des Konzertes sangen alle die Landeshymne der Provinz Tokushima. Diese hat den 4. Satz der 9. Sinfonie als Grundmelodie.

Danach durften sich alle Schülerinnen und Schüler in einem Hotel an einem japanischen Buffet stärken.

Glücklich, erschöpft, zufrieden und mit dem Gefühl bei etwas Einmaligem dabei gewesen zu sein, ging es in die Unterkunft.


Japanreise, Tag 5 – Abschied

Japanreise, Tag 5 – Abschied

Nach dem Frühstück besuchten wir die Austauschschulen. Natürlich wurde noch viel über das Jubiläumskonzert des gestrigen Tages gesprochen.

Unsere Schule, die Tokushima Commercial Highschool (TCHS), ist eine kaufmännische Berufsschule. Die Schülerinnen und Schüler werden in Vollzeitunterricht auf verschiedene Berufe und ein Studium vorbereitet.

Die Schulen in Japan übernehmen in der Jugendarbeit die Funktion, die bei uns in Deutschland die Vereine oder Kirchen innehaben. Somit kann ein Schultag schon mal bis 19:00 Uhr dauern.

Übrigens: Japaner tragen Schuluniformen und laufen in der Schule mit Slipper herum. Und das bei jedem Wetter. Deshalb sind die Gänge zwischen den Gebäuden überdacht.

In der Schule empfingen uns Naomi Mori (Englischlehrerin) und Youjii Murakumo (Lehrer für Buchführung). Zuerst erfolgte eine „offizielle“ Begrüßung des Schulleiters, Herrn Nagamatsu. Nachdem Gastgeschenke und Aufmerksamkeiten ausgetauscht waren, hatten wir die Gelegenheit, verschiedene Klassen im Unterricht zu besuchen. Kleine Spiele brachen schnell das Eis. Und Sprachbarrieren gab es nicht. Die Verständigung funktionierte auch ohne vertiefte Japanisch- und Englischkenntnisse.

Danach besichtigten wir eine Süßigkeitenfabrik.

Wieder zurück in der Schule, kochten japanische und deutsche Schülerinnen und Schüler zusammen. Es wurde ein Reis-Currygericht gekocht, Salat und Hot Dogs gemacht sowie Cookies gebacken. Dabei hatten alle viel Spaß. Sprachbarrieren gab es auch bei dieser Aktion nicht. Natürlich wurde im Anschluss gemeinsam gegessen und auch gemeinsam abgewaschen und aufgeräumt. Kochen ist an der TCHS ein Pflichtfach.

Die Zeit verging viel zu schnell. Wir tauschten E-Mail Adressen aus, machten letzte Fotos und dann hieß es leider auch schon Abschied nehmen.

Es schloss sich ein Besuch in einer Shoppingmall an. Hier konnten wir noch die letzten Souvenirs besorgen und japanische Köstlichkeiten essen.

Dann ging es zurück zum Hotel und wir begannen die Koffer zu packen.

Japanreise, Tag 6 – Rückreise

Japanreise, Tag 6 – Rückreise

Bereits um 06:00 Uhr unseres Rückreisetages wurde das Gepäck verladen und dann ging es auch schon Richtung Flughafen Osaka, den wir nach einer ca. dreistündigen Fahrt erreichten. Dort verabschiedeten wir uns von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Lüneburg, Hannover und dem Kultusministerium, da sie über Frankfurt zurückflogen.

Wir mussten leider noch etwas warten, da die Maschine eine zweistündige Verspätung hatte. Um 13:15 Uhr dortiger Zeit starteten dann auch wir in Richtung Heimat. Wir flogen in den Tag hinein, da Tokushima zu Deutschland eine Zeitdifferenz von +8 Stunden hat.

Im Flugzeug konnten wir uns erholen. Den elfstündigen Flug überbrückten wir mit Gesprächen über unseren Aufenthalt in Japan, Musik hören, Filme oder Fotos anschauen. Natürlich wurde die Zeit auch genutzt, um den versäumten Schlaf der letzten Nacht nachzuholen.

Gegen 16:30 Uhr landeten wir in Amsterdam. Dort stand schon der Bus bereit, der uns gemeinsam mit den Schülern der BBS Brinkstraße nach Osnabrück brachte. Dort kamen wir nach erlebnisreichen Tagen und unvergesslichen neuen Eindrücken und Erfahrungen um 20:15 Uhr an.

Wir sagen DANKE – ARIGATO!

Wir möchten uns herzlich bei allen Beteiligten bedanken, die uns dieses einmalige Erlebnis in dieser Form ermöglicht haben:

  • bei unseren japanischen Partnern für die Einladung und die Möglichkeit der Teilnahme an dem Jubiläumskonzert sowie für die perfekte Organisation unseres Aufenthaltes
  • bei Frau Stutzky für die Geduld und Nachsicht beim Üben mit uns
  • bei den Schülerinnen und Schülern der BBS Brinkstraße für die gemeinsame Zeit
  • beim Kultusministerium Niedersachsen für die Organisation in Deutschland
  • bei Naomi und Youjii für die tolle Betreuung
  • und bei vielen anderen, die am Erfolg mitgewirkt haben!

Die Teilnehmer der BBS am Schölerberg
N. Büttner, C. Culligan, M. Karnahl, S. Schöttner, S. Schulte, T. Stege, R. Steinecke, T. Thrien, H. Werner, M. Zumstrull

Betreuender Lehrer (der sich auch bei den Schülerinnen und Schülern für die tollen Tage bedankt)
F. Gerd-Witte