Besuch am „Höllenfeuer“

Chemieprüfungsfachkurs, Jahrgang 13

Chemieprüfungsfachkurs, Jahrgang 13

Ohren­be­täubender Lärm, un­bändige Qualm- und Wasser­dampf­ent­wicklung gepaart mit einer Glut­hitze empfängt die Schüle­rinnen und Schüler des Chemie­prüfungs­fach­kurses (Jahrgang 13) des Wirtschafts­gymnasiums, als sie für einen kurzen Moment die „Herzkammer“ des Stahlwerkes in Georgs­marien­hütte betreten dürfen: die Halle mit dem Elektro­licht­bogen­ofen. Aus Sicher­heits­gründen erfolgen die weiteren Beo­bach­tungen anschließend durch ein Fenster.

Zunächst werden 140 Tonnen Stahl­schrott in den ca. 10 m breiten Trog des Ofens gekippt und an­schließend mit einem Deckel halbwegs abgedeckt, ehe ein Licht­bogen (vergleichbar mit einem permanenten Blitz) erzeugt wird. Die enorme Energie des Licht­bogens wird dabei in Schmelz­wärme umgewandelt und überführt den Stahl­schrott in kürzester Zeit in eine bis zu 3500 °C heiße, brodelnde Stahl­schmelze. Durch dieses Wert­stoff­recycling produziert das Stahl­werk jährlich ca. 800.000 t Rohstahl, der in den an­grenzenden Hallen in die jeweils gewünschte Form gewalzt wird. Je nach Kunden­wunsch kann der Rohstahl dabei auch zu Spezial­stählen weiter­ve­arbeitet werden. Ca. 80 % der her­gestellten Produkte gehen dabei an die inter­nationale Auto­mobil­industrie.

Trotz der viel­schichtig genutzten Energie­spar­poten­tiale entspricht der Verbrauch an elektrischer Energie in der Hütte dem der gesamten Stadt Osnabrück! Eine eigene Ver­sorgung erfolgt dabei über das Kohle­kraft­werk Ibbenbüren, dessen Zukunft aber nicht von dem bevorstehenden Ende der dortigen Kohle­förderung betroffen sein soll.

Als einer der wichtigsten Arbeit­geber der Region beschäftigt die Georgs­marien­hütte z. Zt. ca. 1500 Mitarbeiter. In den 70er Jahren waren es in der Vor­gänger­firma Klöckner noch deutlich über 4000 Arbeits­plätze, die aber aufgrund der Struktur­krise in dieser Branche stark abgebaut wurden. So hatten damals auch zwei Ingenieure, die über Jahre die Herstellung des Rohstahls aus Eisenerz mit Hilfe der tradi­tionellen Hoch­öfen leiteten, ein interessantes, neues Betätigungs­feld gefunden: Sie wurden Lehrer für Chemie und Physik am Wirtschafts­gymnasium Osnabrück.