Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen

Allgemeines

Der klassische Ausbildungsberuf „Versicherungskaufmann/-frau" ist im Jahre 2006 durch das Berufsbild „Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen" abgelöst und grundlegend neu geordnet worden. Seitdem erfolgt die Ausbildung wahlweise in den Fachrichtungen "Versicherung" oder "Finanzen".
Zum 1. August 2014 trat die derzeit gültige teilnovellierte Ausbildungsordnung in Kraft.

Strukturveränderungen in den Versicherungsgesellschaften, gesetzliche Änderungen, EU-Empfehlungen und -Verordnungen, Kunden- statt Produktorientierung, etc. haben das Qualifikationsprofil von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Innen- und Außendienst verändert.

Die Neuordnung zielt daher auf:

  • Fokussierung auf außendienstorientierte Geschäftsprozesse in Unternehmen der Versicherungs- und Finanzvermittlung
  • stärkere Gewichtung vertriebsorientierter Inhalte
  • Kundenorientierung
  • Flexibilitätssteigerung der Mitarbeiter/-innen
  • handlungskompetente Mitarbeiter/-innen

Die Berufsschule und die Ausbildungsbetriebe erfüllen in der dualen Berufsausbildung einen gemeinsamen Bildungsauftrag. Die Berufsschule ist dabei ein eigenständiger Lernort. Sie arbeitet als gleichberechtigter Partner mit den Ausbildungsbetrieben zusammen (§ 2 BBiG). Sie hat die Aufgabe, den Schülern und Schülerinnen berufliche und allgemeine Lerninhalte unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen der Berufsausbildung zu vermitteln.

Die Ausbildung orientiert sich an den für jeden staatlich anerkannten Ausbildungsberuf bundeseinheitlich erlassenen Ordnungsmitteln:

  • Rahmenlehrplan der Ständigen Konferenz der Kultusminister und -senatoren der Länder (KMK)
  • Verordnung über die Berufsausbildung (Ausbildungsordnung) des Bundes für die betriebliche Ausbildung

Aufnahmevoraussetzungen

Das Anforderungsprofil an die Mitarbeiter von Versicherungen und Versicherungs- und Finanzvermittlern ist durch eine zunehmende Markt- und Kundenorientierung gekennzeichnet. Diesen Anforderungen trägt die Versicherungsausbildung Rechnung. Das Ziel der betrieblichen und schulischen Ausbildung ist auf den Erwerb einer umfassenden Handlungskompetenz ausgerichtet.

Eine wichtige persönliche Voraussetzung für die angestrebte berufliche Handlungsfähigkeit liegt in der Bereitschaft und Fähigkeit, auf der Grundlage fachlichen Wissens und Könnens Aufgaben und Probleme zielorientiert, sachgerecht und selbstständig zu lösen. Neben der Fachkompetenz sollte der/die zukünftige Kaufmann/-frau für Versicherung und Finanzen folgende Qualifikationen erfüllen:

  • Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit
  • Methoden- und Medienkompetenz
  • Freude am Umgang mit Menschen
  • Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein
  • Flexibilität und ständige Leistungs- bzw. Lernbereitschaft.

Wichtig sind darüber hinaus auch Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen und gute schulische Leistungen. Erfahrungsgemäß setzen Ausbildungsunternehmen in der Versicherungswirtschaft für die Ausbildung mindestens den Sekundarabschluss I voraus. Die Mehrheit der Auszubildenden verfügt jedoch über einen erweiterten Sekundarabschluss I, eine Fachhochschulreife bzw. die allgemeine Hochschulreife.

Dauer des Bildungsgangs

Die Ausbildungsdauer beträgt in der Regel drei Jahre; eine Verkürzung ist abhängig von bestimmten Voraussetzungen, jedoch i. d. R. nicht empfehlenswert. Die komplexe Versicherungsmaterie und die erhöhten Anforderungen in der Beratungskompetenz führen dazu, dass etwa 95 % der Auszubildenden ihre Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer nach der regelmäßigen Ausbildungszeit von 3 Jahren ablegen.

Unterrichtsinhalte

Die Berufsschule soll neben weiterführendem Allgemeinwissen berufsbezogene Fachinhalte vermitteln. Außerdem sollen Urteilsvermögen und Handlungsfähigkeit ausgebaut, Grundwissen vermittelt und Zusammenhänge in der Arbeitswelt und in anderen Bereichen erkannt werden. Es müssen Problemstellungen erfasst und Lösungsvorschläge mithilfe von beschafften Informationen selbstständig entwickelt werden.

Der Rahmenlehrplan umfasst die Fachrichtungen Versicherung und Finanzberatung. Die Lernfelder 1 bis 14 enthalten die gemeinsamen Inhalte für beide Fachrichtungen. Das Lernfeld 15 wird jeweils in der Fachrichtung Versicherung und in der Fachrichtung Finanzberatung separat unterrichtet.

Der Umgang mit dem Kunden verlangt fundierte Fach-, Human- und Sozialkompetenz. Bei der Ausbildung der Fachkompetenz orientiert sich der Rahmenlehrplan auch an den in der Versicherungswirtschaft vorliegenden Versicherungssparten des Privatkundengeschäfts. Sozial- und Humankompetenz erwerben die Schülerinnen und Schüler in allen Lernfeldern.

Lernfelder

In den 3 Ausbildungsjahren sind Lernfelder Gegenstand des Unterrichts. Lediglich das letzte Lernfeld im 3. Ausbildungsjahr unterscheidet sich inhaltlich in den Fachrichtungen Versicherung und Finanzberatung.

1. Ausbildungsjahr
2. Ausbildungsjahr
3. Ausbildungsjahr

Unterrichtsorganisation

Die Struktur der Ausbildungsbetriebe hat besondere Auswirkungen auf die Unterrichtsorganisation. Die Arbeitgeber sind häufig kleine bis mittelgroße Agenturen, die nicht blockweise auf ihre Auszubildenden verzichten möchten. Aus diesem Grund wird von den BBS am Schölerberg ausschließlich Teilzeitunterricht angeboten.

Zurzeit findet der Unterricht in drei Unterstufen (Grundstufe), drei Mittelstufen (Fachstufe I), und drei Oberstufen (Fachstufe II) statt. Jede Klasse hat einen festen Berufsschultag mit sechs bis acht Stunden, der in jeder zweiten Woche durch einen weiteren Schultag ergänzt wird, sodass insbesondere Auszubildende aus dem weiteren Einzugsbereich (z. B. auch Landkreis Emsland, Grafschaft Nordhorn) nicht jede Woche zweimal den Weg nach Osnabrück antreten müssen.

Abschlüsse und Berechtigungen

ZwischenprüfungAbschlussprüfung

Zwischenprüfung

Zur Hälfte der Ausbildungszeit ist eine Zwischenprüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) abzulegen (Dauer: 120 Min.).
Prüfungsinhalte sind:

  • Arbeitsorganisation und Kommunikation
  • Dienstleistungen in der Versicherungswirtschaft
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Abschlussprüfung

Am Ende der Ausbildung wird eine bundeseinheitliche Abschlussprüfung vor der IHK abgelegt. Sie besteht aus zwei schriftlichen und zwei mündlichen Teilen:

  • Versicherungswirtschaft sowie Schaden- und Leistungsmanagement bzw. Anlage in Finanzprodukten (180 Min.)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Min.)
  • Kundenberatungsgespräch (20 Min., Vorbereitung 15 Min.)
  • Fallbezogenes Fachgespräch (15 Min.)

Mit Bestehen der Abschlussprüfung endet die Ausbildung. Gleichzeitig wird bei erfolgreichem Besuch der Berufsschule der Berufsschulabschluss erworben.

Anmeldung

Bitte melden Sie alle neuen Auszubildenden im Sekretariat so frühzeitig wie mög­lich an, damit wir auf Grund der Anmeldezahlen die Klassenbildungen effizienter durchführen können. Füllen Sie dazu bitte den Anmeldebogen aus und senden Sie ihn per Mail oder Fax zurück.

Ansprechpartner

Ihr Ansprechpartner ist Wolfgang Schröter, Tel.: 0541 50047-0    |    .